pflanzen im Moor

Pflanzen im Moor

Mag. Samuel Wintereder erforschte im Jahr 2016 für seine Diplomarbeit an der Uni Wien die Vegetation im Pürgschachen Moor und konnte dabei auf 63 Untersuchungsflächen 24 Pflanzen- und Flechtenarten beschreiben. Die Pflanzen können wiederum in 15 Gefäßpflanzen und 9 Moosarten unterschieden werden. Die Artenliste weist zum Großteil für Hochmoore typische Pflanzen- und Flechtenarten auf. Neben den charakteristischen Sphagnen finden sich auch die Arten Pinus mugo, Calluna vulgaris und Eriophorum vaginatum, die durch ihre räumliche Dominanz das Bild des Moores prägen beschreibt Wintereder in seiner Arbeit. 

Bei den Mähwiesen rund um das Moor konnten angepasste Mähzeitpunkte, Verzicht auf Düngung und Beweidung bzw. weitere Meliorierung haben zu einer raschen Veränderung der Pflanzengesellschaften hin zu mehr Naturnähe geführt. Die Dünge- und Kalkeinträge konnten deutlich reduziert werden. 

Sonnentau
Das Ennstal ist Heimatort eines der seltensten Pflanzen der Erde: dem Sonnetau, der sich von Insekten ernährt. Seinen Namen erhielt der Sonnentau wegen der glitzernden kleinen Tröpfchen, die an kurzen Stielen seine Blätter säumen. Sie erinnern an die harmlosen Tropfen des Morgentaus, sind jedoch aus einer klebrigen Substanz und heimtückische Fanggeräte für Insekten. Landet ein solches, bleibt es kleben, das Blatt rollt sich ein und das Insekt wird von er Pflanze verdaut.

Er wächst von Mai bis Oktober und blüht im Juni. Im Ennstal gibt es drei Arten: den langblättrigen Sonnentau (bis 7cm klein), den rundblättrigen (bis 3cm klein) und eine Mischform. Der rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia) wird auch als Himmelstau, Herrgottslöffel, Bullenkraut oder Widdertod genannt. 

Der Sonnetau ist aber nicht nur als „Fleischfresser“ bekannt, sondern auch als Heilpflanze. Er soll gegen Husten und Lungenkrankheiten helfen.

Die Gemeinde Ardning trägt als Symbol fürs Moor einen blühenden Sonnentau im Wappen.

Torfmoos
Torfmoose (Sphagnum) sind maßgeblich für die extremen Lebensbedingungen in Hochmooren verantwortlich. Sie haben keine Wurzeln, ernähren sich von Regenwasser und speichern die darin enthaltenen Nährstoffe. Dadurch wird das Moorwasser angesäuert (pH= 3-4), sodass andere Pflanzen kaum eine Überlebenschance haben.

In Trockenzeiten reduzieren Torfmoose den Stoffwechsel auf ein Minimum; bei Niederschlägen wird in den großen Speicherzellen (Hyalinzellen) mehr als das 30fache ihrer eigenen Trockenmasse aufgenommen. Durch den dichten Bewuchs ist der Wärmeaustausch zwischen Luft und Wasser stark eingeschränkt und so herrscht ein extremes Mikroklima: 30 Grad Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht; kaum mehr als 10 Grad Wassertemperatur und eine Verkürzung der Vegetationsperiode um 2 – 3 Monate. Während sich die Pflanze nach oben hin entwickelt, stirbt die Basis wegen Luftabschlusses ab und aus dem sich unvollständig zersetzenden Gewebe entsteht Torf. Torfmoose wachsen 1 mm im Jahr und reagieren daher äußerst empfindlich gegenüber Umwelteinflüssen.

Wollgras
Wollgräser sind typische Pflanzen dieser besonderen Lebensräume und kommen vor allem dort vor, wo der Boden sehr nass, nährstoffarm und sauer ist. Mit ihren auffälligen weißen Fruchtständen prägen sie das Erscheinungsbild vieler Hochmoore, besonders im Frühjahr und Frühsommer. Ein hoher Wollgrasgrad ist ein Hinweis auf naturnahe, offene Moorflächen und stabile Wasserverhältnisse, die für den Erhalt dieser sensiblen Ökosysteme von großer Bedeutung sind.

Haarmützenmoos (Polytrichum)

Das Haarmützenmoos ist ein typisches Moos feuchter Moor- und Waldstandorte und kommt auch im Pürgschachen Moor vor. Es wächst in dichten, grünen Polstern und trägt seinen Namen wegen der feinen, haarähnlichen Struktur an den Sporenkapseln. Das Haarmützenmoos kann Wasser gut speichern und trägt so zur Stabilisierung des Moorbodens bei.

Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica)

Die Sibirische Schwertlilie ist eine seltene und geschützte Pflanze feuchter Wiesen und Moorbereiche. Mit ihren auffälligen blau-violetten Blüten ist sie ein besonderer Blickfang im Pürgschachen Moor. Sie bevorzugt nährstoffarme, dauerhaft feuchte Böden und ist ein wichtiger Bestandteil artenreicher Moor- und Feuchtwiesen.

Weiße Narzisse (Narcissus poeticus)

Die Weiße Narzisse ist eine charakteristische Pflanze extensiv genutzter Feuchtwiesen und kommt auch auf den Randwiesen des Pürgschachen Moores vor. Ihre duftenden weißen Blüten erscheinen meist ab Mitte Mai und bieten Nahrung für frühe Insekten. Sie ist ein Zeichen für naturnahe, wenig gedüngte Landschaften und steht unter Schutz.

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