Moor & Torfwirtschaft

Moorwirtschaft – Nutzung, Wandel und Bedeutung für das Pürgschachen Moor

Moore prägten über Jahrtausende das Landschaftsbild des Ennstales. Neben ihrer ökologischen Bedeutung spielten sie lange Zeit auch eine wichtige Rolle für die lokale Bevölkerung. Besonders der Torf, der sich in den Mooren über viele Jahrhunderte bildete, war ein bedeutender Rohstoff und wurde im Ennstal vielfältig genutzt.

Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die zahlreichen Moore des Ennstales zunehmend wirtschaftlich genutzt. Ein wesentlicher Grund dafür war die Eisengewinnung, die in der Region eine lange Tradition hatte. Für die Verhüttung des Eisenerzes wurden große Mengen an Holzkohle benötigt, wodurch die Wälder im Ennstal und den umliegenden Regionen zu dieser Zeit nahezu vollständig abgeholzt waren. Holz wurde knapp und teuer – alternative Brennstoffe gewannen daher zunehmend an Bedeutung.

In diesem Zusammenhang rückte der Torf verstärkt in den Fokus. Die aus den Mooren gewonnenen Torfziegel sollten die immer kostspieliger werdende Holzkohle ersetzen, insbesondere bei der Verröstung des Eisenerzes. Gleichzeitig diente Torf auch weiterhin als Brennmaterial für Haushalte sowie als Einstreu in der Landwirtschaft. Die Torfgewinnung erfolgte meist in Handarbeit und war eng mit der bäuerlichen Lebensweise verbunden.

Mit der Regulierung der Enns im 19. Jahrhundert veränderten sich die natürlichen Bedingungen im Talraum grundlegend. Durch die Absenkung des Grundwasserspiegels wurden viele Moorflächen trockener und leichter zugänglich. In der Folge wurden zahlreiche Moore im Ennstal entwässert und intensiv genutzt, was zu einem großflächigen Verlust der ursprünglichen Moorlandschaft führte.

Diese Entwicklung hatte weitreichende ökologische Folgen. Entwässerung und Torfabbau zerstörten empfindliche Moorlebensräume, verdrängten spezialisierte Tier- und Pflanzenarten und führten zur Freisetzung des im Torf gespeicherten Kohlenstoffs. Viele Moore verloren dadurch ihre Funktion als Wasserspeicher, Klimaregulator und Rückzugsraum für seltene Arten.

Im Gegensatz zu vielen anderen Mooren des Ennstales blieb das Pürgschachen Moor bis auf einen kleinen Randbereich vom Torfabbau verschont. Aufgrund seiner Lage und der eingeschränkten Nutzbarkeit konnte sich hier ein großflächiges Moor in einem außergewöhnlich naturnahen Zustand erhalten. Das Pürgschachener Moor zählt heute zu den bedeutendsten Moorgebieten Österreichs und stellt ein wertvolles Archiv der Landschafts-, Vegetations- und Klimageschichte des Ennstales dar.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts verlor Torf als Energieträger zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig wuchs das Bewusstsein für den hohen ökologischen Wert von Mooren. Heute stehen nicht mehr Nutzung und Abbau im Vordergrund, sondern Schutz, Pflege und – in vielen Regionen – die Wiederherstellung natürlicher Moorfunktionen. Das Pürgschachen Moor wurde daher unter nationalen und internationalen Schutz gestellt und ist heute ein herausragendes Beispiel für den gelungenen Erhalt einer historischen Moorlandschaft.

Die Geschichte der Torfwirtschaft im Ennstal zeigt eindrucksvoll den Wandel im Umgang mit der Natur: vom lebensnotwendigen Rohstofflieferanten hin zu einem schützenswerten Lebensraum von großer Bedeutung für Biodiversität, Wasserhaushalt und Klimaschutz.

Torfgewinnung – Arbeitsweise, Materialeigenschaften und ökologische Zusammenhänge

Die Gewinnung von Torf erfolgte traditionell in handwerklicher Arbeitsteilung. Der Torfstecher stach mit einem speziellen Werkzeug, dem Grabscheit, aus dem wassergesättigten Moorboden genau bemessene Torfziegel, sogenannte Soden.

Der Abbau reichte dabei häufig bis in Tiefen von etwa 1,50 Metern, wobei der Torfkörper schichtweise von oben nach unten abgetragen wurde. Die abgetrennten Soden wurden mit einer Schaufel zur Seite geworfen und in Reihen abgelegt.

Die Arbeitsleistung des Torfstechers wurde in der Regel nach dem abgestochenen Volumen berechnet. Je mehr Kubikmeter Torf er gewann, desto höher war sein Verdienst. Diese leistungsabhängige Entlohnung führte zu einem hohen körperlichen Einsatz, da das Stechen des Torfs unter nassen, kalten und oft schwierigen Bodenbedingungen erfolgte.

Im nächsten Arbeitsschritt übernahmen die sogenannten Einleger, meist Frauen, die weitere Verarbeitung der Torfsoden. Sie transportierten die frisch gestochenen, schweren Soden zur Trockenanlage. Diese bestand aus einfachen, luftdurchlässigen Trocknungshütten oder -gestellen aus Holzlatten, die so konstruiert waren, dass Luft und Sonne die Feuchtigkeit aus dem Torf entziehen konnten. Die Soden wurden dort sorgfältig geschlichtet, um eine gleichmäßige Trocknung zu gewährleisten und Schimmelbildung zu vermeiden.

Frisch gestochene Torfsoden weisen aufgrund ihres hohen Wassergehaltes ein Gewicht von etwa 4 bis 5 Kilogrammauf. Während des Trocknungsprozesses, der je nach Witterung drei bis vier Wochen dauerte, verdunstet ein Großteil des enthaltenen Wassers. Das Gewicht einer Sode reduziert sich dabei auf etwa 0,5 bis 0,75 Kilogramm. Dieser starke Gewichtsverlust verdeutlicht den extrem hohen Wasseranteil von Torf, der oft über 80–90 % beträgt.

Mit dem Trocknen verändert sich auch die physikalische Struktur des Torfes. Durch Schrumpfung und Verdichtung steigt der Heizwert, wodurch der Torf als Brennmaterial nutzbar wird. Gleichzeitig wird deutlich, dass der Torfabbau einen nicht erneuerbaren Prozess im menschlichen Zeitmaßstab darstellt: Die Bildung von Torf erfolgt extrem langsam, meist nur etwa ein Millimeter pro Jahr. Jeder abgestochene Meter Torf entspricht somit mehreren Jahrhunderten bis Jahrtausenden Moorentwicklung.

Aus heutiger Sicht wird der historische Torfabbau nicht nur als wirtschaftliche Tätigkeit, sondern auch als bedeutender Eingriff in empfindliche Moorökosysteme verstanden. Die Entnahme des Torfkörpers führt zu Veränderungen im Wasserhaushalt, zur Zerstörung von Moorvegetation und zur Freisetzung von im Torf gespeicherten Kohlenstoffverbindungen. Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage für den heutigen Schutz von Mooren und für den bewussten Umgang mit diesen einzigartigen Landschaften.

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